Siegerring 2020

Faszination Felegyhazaer Tümmler

 

Zur 124. Lipsia 2020 mit den 14 anderen Rassen des SV der südosteuropäischen Tümmler im Wettbewerb um den goldenen Siegerring

 

Die kleinen Tümmler Tauben mit dem Besonderen etwas!

Die Rasse Kiskunfelegyhazaer Tümmler, wurde zu Beginn des 19.ten Jahrhundert in Kiskunfelegyhaza, einer Stadt mit rund 35000 Einwohnern in der ungarischen Tiefebene gelegen, erzüchtet. Diese Stadt gab der Rasse ihren Namen. Bei der Erzüchtung standen, laut ungarischen Überlieferungen, Komorner -, Köröser-, und Palanger Tümmler Pate. Von dem Komorner erbten die Felis, wie sie in Kurzform genannt werden das Temperament, von den Köröser die Zutraulichkeit und den Palanger die Flugtüchtigkeit und Zuchtfreudigkeit.

In Sachsen wurden sie erstmals Anfangs der 60ziger Jahre zur DDR Siegerschau in Leipzig gezeigt. Da diese Ausstellung gleichzeitig die erste „Intertau“ der sozialistischen Länder war, standen sie paarweise in einer Voliere aus Ungarn in den Farbenschlägen schwarz-, blau-, rot- und gelbgeganselt, ohne Bewertung auf einem Gang zwischen den Messehallen und erregten sehr große Aufmerksamkeit. So faszinierten sie u.a. Walter Göserich, welcher vergebens Alles daransetzte, sie zu erwerben. Aber sein Interesse wurde so stark geweckt, dass es im nächsten Sommerurlaub nach Ungarn ging, um solche Täubchen zu erwerben. Es konnten mit Hilfe von Gesa Rohringer auch 1,1 in blaugeganselt erworben werden, die ihm leider bei der Einreise an der DDR Grenze abgenommen wurden. Dafür musste er sogar mit seiner Frau für eine Nacht ins Gefängnis. Doch Walter ließ nicht locker. Im nächsten Jahr ging es wieder nach Ungarn. Dieses Mal wurden vorab deutsche Tauben verschiedener Rassen, auf ungarischen Zuchtwunsch besorgt und mit allen Ein- und Ausreisepapieren, mitgenommen. Mit deren Verkaufserlösen wurden Felis gekauft und, diesmal ohne jegliche Grenzkontrolle. eingeführt. Somit konnte die Zucht im Ostdeutschland beginnen. Fast gleichzeitig 1963 führten Michael Szekan, Willi Kaiser und Hans Avemaria Felis in Westdeutschland ein. Auf Grund der Wertigkeit der D Mark war die Beschaffung etwas leichter und die Qualität vermutlich etwas höher. Die Ausstellungsfreudigkeit von M. Szekan und die sehr gute Rasse Werbung von Fam. Jungnickel führten schnell zu guter Bekanntheit und einem deutlichen Aufschwung. Insbesondere die Einbettung der Rasse im, unter dem damaligen Vorsitz von Karl Ivanovic sehr aktiven SV der südosteuropäischen Tümmler, war für die Verbreitung sehr vorteilhaft. Einen gewaltigen Schritt machte die Rasse nochmals mit der Wiedervereinigung Deutschlands. Sie entwickelte zur Hauptrasse im SV. Seitdem sind Felis auf allen großen Ausstellungen präsent. Die stetig wachsende, weltweite Verbreitung ist der einmaligen Sinfonie, aus lebhafter Zutraulichkeit und ausgesprochener Schönheit mit einem einmaligen Zeichnungsbild, geschuldet. Der erste Aspekt ist, die gedrungene, knappmittelgroße Figur, welche von einem möglichst waagerechten, tiefen Stand und einer breiten Brust, maßgeblich geprägt. Dazu muss die Länge der Hinterpartie immer zur Größe der Taube passen. Eine möglichst perfekte Rückendeckung, adelt einen edlen Feli. Ein zweiter, im Heimatland maßgeblicher Aspekt, sind die Kopfpunkte. Diese werden von einem, an der Basis kräftigen, knapp mittellangen fleischfarbigen Schnabel und einer breiten ansteigenden Stirn, geprägt. Ferner ist der Kopf gerundet und ist von einer dichten dem Scheitel etwas überragenden Rundhaube umrahmt. Hochwertige Felis haben dazu ausgeprägte, oft etwas losgetragene, Rosetten und Mähne. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist ein breiter und großer Latz, welcher im Idealfall birnenförmig die Brust ziert.

 

Farbenschläge und Zeichnung

Die verbreitetesten Farbenschläge sind die Geganselten in Schwarz, Rot, Gelb und Blau. Neu hinzugekommen sind, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuenden silbergeganselten. Blaugehämmertgeganselte sind und bleiben wohl weiter Raritäten. Darüber hinaus sind Felis in einfarbig weiß, welche sich aktuell zunehmender Beliebtheit erfreuen, sowie rot, gelb, schwarz und blau mit schwarzen Binden, anerkannt. Letztere sind jedoch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten so gut, wie nicht zu sehen gewesen. Beim Betrachten der Zeichnung sticht sofort die Haube, welche an ihrer Innenseite weiß gefüttert ist, während die Hinterhaube einschließlich der Rosetten und Mähne farbig sind, ins Auge. Der weiße Kopf wird von einer an den Schnabelwarzen beginnenden, breitangesetzten, farbigen Schnippe, welche idealerweise den Augenrand nicht berühren soll und Mitte des Kopfes endet, geziert. Eine Besonderheit weist der deutsche Standard auf, in dem gleichberechtig zur Schnippenzeichnung, auch Tiere mit einem farbigen Kopffleck, „Krone“ genannt, anerkannt sind. Solche Tiere sind als Ausgleichpartner für Tiere mit dunklen Schnäbeln, vor allem in den Farbenschlägen schwarz- und blaugeganselt wertvoll. Bei besonders schönen großen Lätzen toleriert man etwas weiß im Aftergefieder. Die Farbintensität spielt laut Standard in der Rangfolge der Bewertung erst an 4.ter und damit letzter Stelle der Rangfolge. Trotzdem wurde in den letzten Jahrzehnten dieses Merkmal so verbessert, dass in allen Farbenschlägen die Spitzentiere, die geforderte reine und intensive Farbe aufweisen.

 

Zucht und Haltung

Felis sind trotz Ihrer Lebhaftigkeit ausgesprochen zutraulich zu ihren Betreuer. Oft werden sie so zahm, dass sie Ihren Züchter aus der Hand fressen bzw. auf den Kopf oder die Schulter fliegen. Dank Ihrer Verträglichkeit fühlen sie sich auch in kleineren Schlägen wohl. Anderseits fühlen sie sich, wo es wegen der Raubvögel noch möglich ist, im Freiflug ausgesprochen wohl und bleiben dabei freiwillig bis zu 20 Minuten in der Luft. Da die Rasse wie Eingangserwähnt in der ungarischen Tiefebene erzüchtet wurde, lieben sie während der Zucht Wärme und Sonne. Kälte in den Wintermonaten ist für sie ebenfalls kein Problem, wenn sie getrennt leben. Sie füttern ihre Jungen bei entsprechenden Haltungsbedingungen und wachen Züchterauge sehr gut und sind sehr Zucht freudig. Alle 30 bis 32 Tagen kann man mit einen neuen Gelege rechnen. Der besondere Habitus der Zeichnung stellt bei den Geganselten in jedem Jahr eine besondere Herausforderung an die Züchter. Mittlerweile ist die Rasse soweit durch gezüchtet, das bis zu 50% der Nachzucht Ausstellungstiere sind.

Ihre Einzigartigkeit macht die Felis Begehrenswürdig, deshalb liegt es an uns Züchter, den Rasseverantwortlichen des SV und den Preisrichtern: die Symbiose zwischen Schönheit und Vitalität, inklusive des Aufzucht Verhaltens, weiter zu erhalten und keinen Ansatz von Assoziationen zu Übertypisierung in einzelnen Punkten zu zulassen. Wer einem Faible für etwas Besonderes hat, der sollte Felis unbedingt kennenlernen. Freuen wir uns auf die nächste Lipsia und auf die Siegerring Präsentation, zu der ich alle Mitglieder und Gäste des RGZV 1869 Leipzig schon heute ganz herzlich einlade.

 

Jürgen Wutzler

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