Die Gimpeltaube im Siegerringwettbewerb 2026

Einleitung und Herkunft
Bei so mancher Zuchttierbestandserfassung stellte sich heraus das unsere Gimpeltaube die mit am meisten gezüchtete Farbentaube ist. Wo kommt diese Begeisterung her, wo doch bis heute ihre Herkunft nicht eindeutig geklärt ist.
Die Gimpeltaube ist wohl eine der farbenprächtigsten Farbentauben überhaupt, wenn nicht gar die farbenprächtigste.
Vermutungen das es eventuelle Kreuzungen mit Ziertauben gab haben sich nicht bestätigt und scheinen auch genetisch nicht möglich zu sein. Der Glanz, der unseren Gimpeltauben eigen ist, ist auch für die Genetiker, bezüglich der Vererbung, immer noch etwas rätselhaft. Konnten in den letzten Jahren zwar Erkenntnisse gewonnen werden, so ist es trotzdem noch nicht an der
Zeit, dass wir den tatsächlich passenden Schlüssel für das Schloss gefunden haben.
Viele Mythen ranken sich um die Herkunft der Gimpeltaube, da sind England, Russland, Dalmatien, Illyrien und selbst die Seidenstraße, die von China über Indien bis Mesopotamien reicht, im Gespräch.
Ein paar Geheimnisse trägt die Gimpeltaube also in sich, die Genetik, die Herkunft und ein Geheimnis ist dann doch gelüftet. Nämlich die Begeisterung der Züchter für diese Taube mit ihrem sagenhaften Glanz des Kupfers und Gold. Sie im heimischen Schlag zu haben und dann ihrer Schönheit zu verfallen, beides bleibt meist ein ganzes Züchterleben erhalten.
So haben wir aber keine Ruhe gelassen und Mühen gescheut, um herauszufinden seit wann es die Gimpeltaube als Rasse, in ihrer Beschreibung und im Aussehen definitiv gibt. Hier hat sich besonders unser Zuchtfreund Heinrich Schröder aus Ganderkesee verdient gemacht, indem er ständig in Museen nach Abhandlungen und Dokumenten Ausschau hielt. Einen besonderen Fund machte er dabei im „Naturhistorischen Museum Wien“, dort fand er unter anderem Bälge von Gimpeltauben aus den Jahren 1810 bis 1817. Im Aussehen sind diese beiden Exemplare nicht mit der Qualität von heute vergleichbar, aber dennoch eindeutig als Gimpeltauben zu erkennen. Aus den Volieren des österreichischen Kaiser Franz I. fanden damals eine Gimpeltaube Kupfer Schwarzflügel mit weißen Schwingen und eine Gimpeltaube Kupfer Weißflügel mit Binden den Weg in hiesiges Museum. Ein Glücksfall das sie ins Museum kamen, Heinrich Schröder sie fand und wir dann noch diese beiden Bälge zur 100 – Jahrfeier des SV der Gimpeltaubenzüchter von 1910 ausgeliehen bekamen und sie in Jonsdorf / Sachsen, unter diversen Auflagen, allen Zuchtfreunden und Besuchern präsentieren konnten.
Der SV der Gimpeltauben in der Neuzeit
Wie bereits erwähnt wurde unser SV im Jahr 1910 gegründet. Wobei man sich hier zunächst über das Gründungsdatum nicht einig war. Denn 1910 wurde in Werdau/Sachsen der „Gimpel-Züchter-Klub“ unter Vorsitz von Franz Burkhardt und 1912 in Offenbach/Hessen unter Vorsitz von Fritz Krumm der „Süddeutsche Gimpeltauben-Klub“ gegründet. Letzterer galt bis 2006 als Gründungs-Klub, da er in der Öffentlichkeit bekannter war. Beide Klubs hatten auch eine unterschiedliche Musterbeschreibung für unsere Gimpeltauben. Erst im Oktober 1924 zur Junggeflügelschau in Hannover wurden auf Einladung von Otto Giesecke die beiden Klubs in der „Vereinigung der Gimpeltaubenzüchter“ zusammengeschlossen. Die beiden Untergruppen Sachsen-Thüringen und Süddeutschland blieben als sog. Gaue bestehen. 1. Vorsitzender wurde Fritz Krumm. Diese hatte das Amt bis 1931 inne und wurde von Oscar Reese abgelöst. Vordringliche Aufgabe war zur damaligen Zeit die Überarbeitung und Vereinheitlichung der Musterbeschreibung. Diese neu entstandene Musterbeschreibung ist im Wesentlichen heute noch gültig. 1935 übernahm Johann Ampletzer den Vorsitz des Hauptvereins. Die beiden Gaue traten aber in den Jahren vor, während und nach den 2. Weltkrieg in den Hintergrund. Wie fast überall sah es nach dem 2. Weltkrieg auch für die Gimpeltauben nicht rosig aus. Viele führende Zuchten sind dem Krieg zum Opfer gefallen. Dennoch haben sich bereit 1946 20 Züchter getroffen, um die Wiedergründung des Vereins zu beschließen. Es dauerte allerdings bis 1949 bis auf Drängen von H.L. Schaudi in der westlichen Besatzungszone eine aktive Vereinsarbeit wieder stattfand. Schaudi übernahm nun auch den Vorsitz des SV. Diesen hatte er bis 1966 inne und wurde im Anschluss von Edgar Wartenberg beerbt. Der neue Vorstand bestand nun aus: 1. Vorsitzender E. Wartenberg, 2. Vorsitzender H. Heilmann, Kassierer H. Groß, Schriftführer H. Schröder und Zuchtwart K. Gebhard. Dieser Vorstand arbeitete sehr konstruktiv bis 1987 zusammen. Einzige Veränderung war 1982 aufgrund des plötzlichen Ablebens von H. Groß erforderlich. Hier übernahm Dr. A. Lauer das Amt des Kassierers.
In der damaligen Ostzone baute Willy Kirchner die Sonderzuchtgemeinschaft Gimpeltauben auf und leitete diese viele Jahre. 1971wurde er Ehrenvorsitzender der SZG, bis er 1982 verstarb. Neuer Vorsitzender wurde Horst Quellmalz und 1977 Günther Gillmeister.
Die Entwicklung unserer Grundfarbenschläge
KUPFERSCHWARZFLÜGEL
Sie waren immer die beliebtesten. Irgendwann, etwa im letzten Jahrzehnt vor der Jahrhundertwende, hatten die Züchter das Ziel erreicht, eine Kupferfarbe ohne jeglichen Grünschimmer, in Kombination mit einer Rücken- und Flügelfarbe mit einem wirklich breiten käfergrünen Lack zu züchten. Aber echte Idealisten, und Gimpelzüchter sind dies superleidenschaftlich, wollen nicht nur eine intensive Farbgebung, sondern auch völlige Gleichmäßigkeit in der Kupferfarbe und auch den feurigen Kupferglanz. Diese Gleichmäßigkeit in Farbe und Glanz über den gesamten Körper von der Stirn bis zur Spitze der Keilfedern, auch an den Seitenflanken, gepaart mit einem möglichst breiten Smaragdgrünen und maximal deckendem käfergrünen Lack auf Flügelschildern und Rücken zu erreichen, ist und bleibt die Hauptherausforderung.
KUPFERWEISSFLÜGEL
Diese extremste der Farbkombination bei Gimpeltauben hat bisher nie eine große Anhängerzahl gefunden. Die Tatsache, dass jeder kleinste Farbklecks (Farbstoffreserve) auf dem Flügelschild deutlich sichtbar ist, führt auch dazu, dass diese Farbvariante auf allgemeinen Ausstellungen selten hohe Preise gewinnt. Sie ist daher eine Variante für eingefleischte Kenner und insbesondere auf Sonderschauen findet sie ihre Anerkennung.
KUPFERBLAUFLÜGEL
Bezüglich der Grundfarbe gilt im Großen und Ganzen das Gleiche wie für Kupferweiß. Der Unterschied besteht darin, dass wir es hier geschafft haben, den grünen Glanz im Nacken auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Und dies wird auch mit einer feurigen Kupferfarbe über dem Rest des Körpers kombiniert. Auch die Flügelfarbe ist (und vor allem bei den Täubinnen) deutlich gleichmäßiger geworden. An die Schwanzbinden, die Farbe der Schwungfedern und Durchfärbung der Rücken werden hohe Ansprüche gestellt.
GOLDSCHWARZFLÜGEL
Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass es sich hier um die am häufigsten gezüchtete Farbvariante des Goldes handelt. Große Fortschritte gab es bei der Flügelfarbe und insbesondere bei dem breiten, überdeckenden käfergrünen Lacksaum auf den Schilden. Den Kopf-Hals-Brust-Übergang in einer gleichmäßig leuchtenden Goldfarbe zu züchten bleibt schwierig.
GOLDWEISSFLÜGEL
Sowohl das relativ hohe Qualitätsniveau als auch die Züchterzahl sind seit Jahrzehnten stabil. Die etwas unreine Sprenkelung der Decken und die teilweise sogar beigefarbene Rückenfarbe sind hier nicht so ausgeprägt wie bei den Kupferweissflügel. Die Züchter müssen jedoch auf das Problem der Augenfarbe und -form weiterhin achten. Auch Zuchtlinien mit zu wenigen Schwanzfedern treten leider auf. Das eher ruhige Temperament der Goldweißflügel kann für den Liebhaber durchaus als Vorteil angesehen werden. Zu erwähnen ist an dieser Stelle, das Gold der Goldweissweissflügel ist eine Nuance dunkler als das der Schwarzflügel.
GOLDBLAUFLÜGEL
Auch hier gab es in den letzten Jahren weniger Züchter. Und ebenso spielt hier das oben erwähnte Problem der Gleichmäßigkeit des Goldes eine sehr wichtige Rolle. Bei weniger Züchtern ist dann auch die Verfügbarkeit von Spitzentieren geringer. Die Deckenfarbe der Täubinnen und die Durchfärbung der Schwanzbinde sollte noch verbessert werden. Und genau wie bei Kupferblau entscheiden sich immer mehr Züchter für die selteneren goldblauen Varianten, was der Qualität der Hauptfarbe nicht zugutekommt.
SV der Gimpeltaubenzüchter von 1910



















Kommentare