Gründung
des Leipziger Rassegeflügelzüchtervereins

Die Entstehung des Vereins haben wir einem Manne zu verdanken, dessen Name zwar nicht mehr im Mitgliederverzeichnis zu finden ist, welcher aber auch heute noch ein warmes Herz für ihn hat, nämlich Emil Geupel, Zoologische Handlung, welcher als Inhaber der Firma Geupel-White im Frühjahr 1868 in Dresden die große sächsische Geflügelausstellung besuchte und dort sämtliche zur Ausstellung gebrachten Tiere verkaufte.

Er brachte die Überzeugung mit, dass auch in Leipzig ein solches Unternehmen auf seine Rechnung kommen müsse.

Bald erschien im „Leipziger Tageblatt“ eine Annonce, in der Herr Geupel alle Tauben, Hühner- und Vogelliebhaber einlud, sich zur Gründung eines Geflügel-Vereins in Esche’s Restauration einzufinden.

Die Herren, die erschienen, waren meistens alte Bekannte. Man hatte sich schon oft auf dem Markt getroffen, dort wo die „Alte Wolfen“, die „Schöne Frau Scharf“, „Schnippen-August“ und der „Schwarze Friedrich aus Zwenkau“ ihr Heim mit den Käfigen für Tauben usw. aufgeschlagen hatten, und wo schon manches Kauf- und Tauschgeschäft gemacht worden war.

Zum Ziel führte diese erste Versammlung bei Gosen-Esche nicht, man beschloss aber, bei der im Juli stattfindenden „Müller-Ausstellung“ auf dem Marien-Platz die Lieblinge an Rassegeflügel, Zier- und Singvögeln dem Publikum zu zeigen und evtl. auch zu verkaufen.

Das Resultat dieser Schaustellung war ein glänzendes. Ganz Leipzig sprach von der „Müller-Ausstellung“, ganz besonders aber von den schönen Tauben, Hühnern und ausländischen Vögeln, welche die Herren Geupel und Gudera ausgestellt hatten. Und wenn die Aussteller Schader, Schmidt, Thomas von ihren Indianern, Altstämmern, Spaniern, Silberfasanen und dergleichen sich hätten trennen können, es wäre keine Feder in ihrem Besitz geblieben, so stark war die Nachfrage.

Geupel-White erhielt Aufträge, sodass sich eine Reise nach England lohnte, und alle waren über das Resultat dieser Ausstellung so erfreut, dass sie beschlossen, einen Verein zu gründen und in Esche’s Gosen-Restauration die l. Große Geflügelausstellung in Leipzig abzuhalten.

Der neue Verein verkehrte von nun an bei seinen Beratungen nur „Im Himmel“, so hatte man Geupels „Gute Stube“ im Salzgäßchen 4 Treppen hoch getauft, weil man glaubte, alles geheim behandeln zu müssen, da sehr gut situierte Herren durch die „Müller-Ausstellung“ auf gleiche Gedanken gekommen waren und die „Alten Vogel-Fritzen“, wie man sie auf dem Markt nannte, von altem Schrot und Korn, die Ehr’ sich nicht entgehen lassen wollten.

So kam es, dass am 21. März 1869 der „Leipziger Geflügelzüchter-Verein“ gegründet wurde.

Es waren die Geflügelliebhaber Kaufmann Karl Schmidt, Grundstücksbesitzer Julius Gangloff, Privatmann Emil Geupel und Privatmann Schwarz in Esche’s Restauration.

Vorsitzender wurde Emil Geupel, Schriftführer Julius Gangloff und Kassierer Schwarz.

In der ersten Generalversammlung am 20. März 1870 wurde der Advokat H. Burkes zum Vorsitzenden und Julius Müller zum Kassierer gewählt. Julius Gangloff blieb Schriftführer.

Bereits auf der Gründungsversammlung war beschlossen worden, eine Geflügelausstellung durchzuführen. Die l. Ausstellung wurde am 12. bis 16. Februar 1870 in Esches Kaffeegarten in der Lessingstraße durchgeführt.

Es wurden 571 Paar Tauben, 141 Stämme Hühner und 87 Nummern Ziergeflügel gezeigt.

Die 1. Ausstellung unterstützten Kommerzienrat Arnold Greiz und Zimmermeister Haubold Meerane, indem sie neue Käfige zur Verfügung stellten. Die Herren Thiele, Gangloff und Geupel verpflichteten sich zur Deckung eines evtl. Defizites.

Emil Geupel hatte eigens aus England seltene Tauben, Hühner und Vögel eingeführt.

Herr Schmidt hatte sich aus Paris Japanische Seidenhühner und Créve-coeur kommen lassen.

Herr Schader zeigte „Schwarze Indianer“, Herr Schmidt feine Tümmler (Altstämmer und Berliner), Herr Schildbach hatte Brünner aus Prag geholt, die ein kleines Vermögen repräsentiert hatten.

Durch Vermittlung „Emils“ (so nennt man in den Aufzeichnungen Herrn Geupel) hatten die Zoologischen Gärten von Brüssel und Antwerpen Fasanen, Zier- und Wassergeflügel gesandt, wie es seitdem auf keiner Ausstellung wieder zu sehen war. Um das Maß ganz voll zu machen, bestieg am letzten Tag der Ausstellung Ratstapezierer „Vater Pirnsch“ mit einer großen Fahne den Schlossturm, um die aus Antwerpen stammenden Brieftauben auffliegen zu lassen.

Die Ausstellung war so überfüllt, dass immer nur so viele eingelassen wurden als herausgingen, trotz aller Kälte (-23 °C).

Das Geschäft war ein glänzendes. Aus dem Reingewinn von 893 Talern wurden sofort neue Käfige beschafft.

Es wurde beschlossen, fortan jedes Jahr eine Ausstellung durchzuführen.

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