Die Altenburger Trommeltauben im Siegerring - Wettbewerb

Aus der Familie der 13 anerkannten Trommeltaubenrassen in Deutschland hat unsere Altenburger Trommeltaube 2026 die große Ehre, in den Wettbewerb um den Goldenen Siegerring zu treten.
Die schlichte Trommeltaube aus der Skatstadt Altenburg in Ostthüringen begibt sich dafür am ersten Dezemberwochenende zur Lipsia nach Leipzig. Für den Sonderverein ist dies besonders bedeutsam, da wir eine solch große Plattform zur Präsentation unserer Rasse erhalten. Ein absoluter Höhepunkt der 114-jährigen Vereinsgeschichte.
Geschichte
Zur Geschichte unserer Altenburger wie auch den anderen in Deutschland bekannten Trommeltauben wird in der Literatur viel im Konjunktiv gesprochen. Oftmals wird vom englischen Tierforscher namens John Moore gesprochen, welcher erkannte, dass bei einer Taubenart eine Mutation im Stimmverhalten vorherrschte. Es sollte sich dabei um das sogenannte Trommeln in der Lautabgabe gehandelt haben. Verbreitet ist die Ansicht, dass im großarabischen Territorium Trommeltaubenrassen nachgewiesen worden sein sollen. Dazu hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass in früheren Zeiten durch Importe aus Kolonialgebieten namenlose Trommeltauben ihren Einzug nach Europa gehalten haben.
Die Geschichte nahm fortan ihren Lauf und die kreative Züchtergemeinschaft schuf die uns bekannte Vielfältigkeit mit 13 Trommeltaubenrassen. Die meisten tragen einen territorialen Namen, vielmals jenen einer größeren Stadt, mit welchem sie ihre Popularität erkennbar machen. Diese lokalen Rassen bestimmen durch Kopfschmuck, Gefiederfarbe, Fußbefiederung sowie typische Form und Größe ihren Schauwert. Eine Trommelstimme ist wohl vorhanden, bei den meisten dieser Rassen jedoch hintergründig.
Ganz anders trat eine schlichte, glattköpfige Taube im Altenburgischen und Schmöllner Land in Erscheinung, deren Schauwert in längst vergangenen Zeiten gegen Null lief. ,,Feldkratzer'' haben bei Ausstellungen nichts zu suchen. So las man in alten Geflügelzeitungen.
Die Existenz unserer geschichtsträchtigen Altenburger Taubenrasse erlaubt den landschaftlichen Hintergrund und deren Bewohner in Augenschein zu nehmen: Das Altenburger Land, vom Fluss Pleiße durchzogen, wird in geschichtlichen Darstellungen auch als „Pleißenland" bezeichnet. Durch adligen Wechsel der Eigentumsverhältnisse im Territorium nimmt man auch gern die Bezeichnung „Osterland" in Anspruch. Das Altenburger Land ist ein ausgesprochenes Agrarland. Auch die Bürger umliegender Städte ernährten sich vom Ackerbau. Somit ist unschwer zu vermitteln, dass auf diesem Gebiet des Herzogtums Sachsen-Altenburg die beiden Taubenrassen Schmöllner und Altenburger Trommeltauben bei Handwerkern, Klein- sowie Großbauern (auch Malcher genannt) ihre züchterische Heimat fanden.
Warum diese Taubenart mit ihrem schlichten Erscheinungsbild gerade in diesem Gebiet ihre Heimat gefunden hat, lässt sich dadurch nicht erklären. Jedoch gehört diese Taubenrasse zum unverzichtbaren Tierbestand im Altenburger Land. Vielleicht schätzte die Bevölkerung auch die Eigenschaften wie im „Neumeister" von 1869 beschrieben: ,,Diese Taube übertrifft die Altstämmigen russischen Trommeltauben in lang anhaltendem Trommeln, ist so groß wie die gewöhnliche Feldtaube. Auch ihre Farbe und Zeichnung ist so ziemlich dieselbe, doch die Farbe ist etwas lebhafter. Das Auge ist hellgelb rötlich, beinahe weiß. Die Taube mag die Farbe haben, wie sie will, die Augen sind hell (sogenannte Glasaugen). Hat die Taube nicht solche Augen, so ist sie nicht von reiner Rasse und trommelt nicht so gut. Ihre Füße sind etwas befiedert. Es ist eine empfehlenswerte Taube zur Zucht, so auch zum Feldfliegen. Ihre Schnippe ist wie eine kleine Nelke geformt und bedeckt die Hälfte des Kopfes und die Hälfte des Schnabels. Sie ist eine lebhafte Taube, ja sogar des Nachts fängt sie an zu trommeln und lässt bei ihrem Trommeln artige Töne hören, 5 bis 6 Minuten lang, ohne abzusetzen. Man hat mehrere Liebhaber, die sogar diese Taube in die Nähe ihres Schlafgemachs zu platzieren suchen, um die Taube des Nachts oder früh zu hören." Heute ist unsere Altenburger Trommeltaube in der ganzen Bundesrepublik und in benachbarten Ländern sehr gut verbreitet.

Sondervereinsbildung
Am 18. Februar 1912 sollte der Anfang einer zielgerichteten, organisierten Züchtung zweier glattköpfiger Trommeltauben sein. Die Gründung der Vereinigung der Züchter der Schmöllner und Altenburger Trommeltauben wird mit den Zuchtfreunden Rudolf Hiller als Vorsitzender und seinen Mitgründern G. Leithäuser und R. Riedrich als Führungsteam genannt. Diese Zuchtfreunde aus Schmölln sollten als Initiatoren dieser doppelten Vereinsbildung in die Geschichte eingehen. Allerdings existierte diese Vereinigung nur wenige Jahre und führte gemäß alten Schriften nur ein „Schattendasein". Der 1. Weltkrieg brachte das Vereinsleben völlig zum Erliegen und führte zur Auflösung und Trennung der Zuchtmitglieder dieser zwei Taubenrassen. Nach einer bescheidenen Normalisierung am Ende des 1. Weltkriegs konsolidierten sich 13 Züchter von Altenburger Trommeltauben und gründeten am 13. Dezember 1923 den Sonderverein der Züchter der Altenburger Trommeltauben. Der Vorstand setzte sich zusammen aus:
1.Vorsitzender K. Schmidt, Altenburg
1.Kassierer K. Siegmayer
1.Schriftführer 0. Krumbholz
Wenngleich anfänglich genug Züchterliebhaber der „Altenburger" zu einer Wiederbelebung durchstarten wollten, war der nach dem Ersten Weltkrieg vorhandene Tierbestand äußerst gering. Die legendären kombinierten Ross- und Taubenmärkte in Altenburg und Schmölln brachten bescheidene Reserven an Tieren für einen Zuchtaufbau wieder zum Vorschein. Eine richtungsweisende Musterbeschreibung wird am 12. September 1925 erstelltund 1927 vom Bund Deutscher Geflügelzüchter anerkannt.

1938 wird von einem regen Vereinsleben und der Zunahme der ausgestellten Tiere der „Altenburger'' in Altenburg zur Hauptsonderschau berichtet. 335 Tiere stellten sich den Preisrichtern. In den Folgejahren vernichtete der 2. Weltkrieg alle Aufbauarbeit. Viele Züchter kehrten nicht mehr vom Krieg zurück. Schlachtungen und zum Verzehr verwertete Tiere dienten zur Milderung der Hungersnot. Restbestände von Tieren wurden erfasst und eine Wiederbelebung des Sondervereins der Altenburger Trommeltaubenzüchter wurde am 23.07.1947 vom Reichsverband der Kleintierzüchter e.V. Berlin - Landesverband Thüringer Rassegeflügelzüchter- eingeleitet. Den Vorsitz übernahm Heinz Engelmann, ein begnadeter Experte in der Zucht der Altenburger Trommeltauben. Zur Hauptsonderschau 1949 standen bereits 80 Tiere zur Bewertung in den Käfigen. Allerdings hatte das Ende des furchtbaren Krieges die Teilung Deutschlands als Beschluss der Alliierten zur Folge. Eine grandiose Zunahme von Interessenten unserer Rasse förderte den Wunsch zu Gruppenbildungen. Vogtland war die erste Gruppenbildung im Jahre 1964 auf DDR-Gebiet. Die Gründungsversammlung erfolgte in Adorf. In der BRD organisierten sich im oberfränkischen Gebiet mehrere leidenschaftliche „Altenburger''-Züchter und gründeten 1969 LippertsLeupoldsgrün die Gruppe Bayern. 1972 folgte die Gruppe Hessen mit Ihrer Gruppenbildung in Schöneck-Kilianstädten. Über 30 Trommeltaubenzüchter gründeten 1981 in Albernau die Gruppe Erzgebirge. Den Wunsch nach einer eigenständigen Gruppe erfüllten sich 16 Thüringer Züchter und gründeten 1984 die Gruppe Thüringen. Auch im Norden Deutschlands fasste die Altenburger Trommeltaube Fuß und somit gründeten 10 Mitglieder in VerdenDölbergen die Gruppe Nord-West. Mit der deutschen Einheit und der daraus resultierenden Neuorientierung der SZG Zentrumsgruppe Altenburg/Thüringen konstituierten sich 1990 die Altenburger Züchter und bildeten die Eigenständige Gruppe Altenburg.
Nachstehende Züchterpersönlichkeiten führten den Sonderverein der Altenburger Trommeltaubenzüchter und trugen zur großen Verbreitung innerhalb der Rassetaubenzucht bei:
1923: Karl Schmidt, Altenburg
1938: Heinz Engelmann, Altenburg
1971: Klaus Rothe, BrockauNogtland
1991: Christian Schamel, Pegnitz
1998: Wolfgang Neumann, Gütersloh
2008: Michael Lichtenstein, Mackern
2014: Oliver Heinbuch, Seiferts/Rhön
Heute umfasst der Sonderverein 209 Mitglieder. Neben den Gruppensonderschauen in den einzelnen Untergruppen führt der SV jedes Jahr seine Hauptsonderschau als Wanderschau durch. Hier treffen sich die Mitglieder des SV auf ein langes Wochenende. Neben den richtungsweisenden Bewertungen unserer Altenburger durch die aktuell 16 Sonderrichter, steht an diesem Wochenende die Jahreshauptversammlung, Züchterabend und viel Geselligkeit, Ausflüge und Züchtergespräche im Vordergrund. In dem jährlich erscheinenden SV Info-Heft „WackWack" wird über das aktuelle SV-Geschehen informiert.
Trommelstimme
Im Jahre 1924 wurde ein Novum in der Bewertung der „Altenburger" entwickelt. Es ist die Punktbewertungskarte. Dieses Punktbewertungssystem sollte der Forderung des Schönheitsstandards einschließlich einer sehr guten Trommelstimme der Altenburger Trommeltaube entsprechen. Am 4. Nov. 1927 hatte eine Spezialschau in Altenburg mit 192 rassereinen Altenburgern stattgefunden. Die Tiere wurden auf Rassigkeit nach Punktelisten erstmals geprüft. Karl Schmidt, Albin Prößdorf und Richard Riedrich führten erstmals dieses Punktesystem durch und hängten eine Bewertungskarte an den Käfig. Dies diente zum Vorteil der Weiterzucht der fast verschollenen echten Altenburger Trommeltaube. Die in Fachpressen veröffentlichten Artikel sind voll des Lobes, wo eine Stimme, also die Trommelleistung, geprüft und kultiviert wird. In der Geflügelbörse vom 5. Juni 1970 lautet der Titel: ,,Die Primadonna aus Altenburg" und im gleichen Artikel wird geschrieben „Meistertrommler sind so selten wie V-Tiere auf einer Schönheitskonkurrenz". 1927 erfolgte die Anerkennung der Musterbeschreibung sowie die Genehmigung zur Einführung der Punktbewertungskarte durch den BDG e.V. Ab diesem Jahr, also 1927, erfolgte das Abhören und Bewerten der Trommelstimme. Seit 1958 wird der Ehrentitel „Meistertrommler'' vergeben. Diese einmalige Bewertung war und ist Alleinstellungsmerkmal für die Altenburger Trommeltaubenzucht. Jedes Jahr findet Mitte Dezember eine Sonderschau der Gruppe Altenburg mit Trommelleistungsprüfung statt, um genau dieses Rassemerkmal zu bewahren.

Beschreibung der Altenburger Trommeltaube:
Mit 89 anerkannten Farbenschlägen verfügt die Altenburger Trommeltaube über eine außergewöhnlich große Vielfalt. Die Auswahl, reicht von Einfarbigen, Bindigen, Gehämmerten, über Zeichnungen in Gescheckt, Getigert und Muselköpfig. Auch die selteneren Varianten in Schimmel, Geschuppt, Weiköpfig und Gemöncht gibt es in vielen verschiedenen Farben. In den nachfolgenden Zeilen sollen die Hauptrassemerkmale und Allgemeine Bewertungsschwerpunkte näher beleuchtet werden. Bei unserer Altenburger Trommeltaube finden wir eine kräftige Feldtaubengestalt vor. Wir sehen darin eine vitale Taube mit einem kräftigen Körper. Eine ausgerundete Brustpartie wird etwas hervorstehend gewünscht. Zur kräftigen Taube gehört genügend Brustfleisch dazu, wodurch das Brustbein schön eingebettet ist. Der Hals kommt voll aus dem Körper und verjüngt sich nach oben hingehend. Die Kehle ist dabei gut ausgerundet. Zu den Kopfpunkten gehört eine hohe und breite Stirnpartie, welche ihren höchsten Punkt vor dem Auge hat. Mit einer fließenden abfallenden Scheitelwölbung geht das Kopfprofil in die Halspartie über. Ein reines, klares Perlauge, mit möglichst kreisrunder und scharfer Pupille wird von einem schmalen gut abgedeckten Augenrand umgeben. Der Schnabel ist mittellang und nahezu waagerecht eingebaut. Die Schultern sind breit und der Rücken etwas abfallend. Dabei sind die Flügel gut eingebaut und fest anliegend, sodass eine gute Rückenabdeckung gegeben ist. Der Schwanz ist gut geschlossen und führt die Rückenlinie in Ihrem Verlauf fort. Dabei überragt dieser die Flügel in einem geringen Maße, wodurch das Verhältnis von Schwingen und Schwanz gewahrt wird und sich dem Gesamteindruck einfügt. Die Läufe sind mittellang und unbefiedert.
Schwerpunkte in der Bewertung:
Gesamteindruck:
Es ist der erste Blick den man von einer Taube wahrnimmt. Hier gehört es dazu, dass die ganzen Körperproportionen aufeinander abgestimmt sind. Sei es die Körpergröße, die Körperlänge, die Standhöhe oder auch die Halspartie. Jede dieser und weitere Bausteine können das Gesamtbild der ganzen Taube negativ beeinflussen und somit einen positiven Gesamteindruck stören.
Körperform und Haltung:
Die richtige Größe ist mit der Feldtaube ganz gut beschrieben. Jegliche übergroße oder zu zierliche Taube welche von der Feldtaube enorm abweicht, sollte nicht den Anspruch einer Altenburger haben. Wie oben bereits beschrieben sollte es eine kräftige Taube sein welche genügend Brustausrundung mit sich bringt.
Kopf:
Zweifelsfrei das Merkmal, was jeder Rassegeflügelzüchter mit den Altenburgern in Verbindung bringt, ist der Kopf mit seiner breiten und vollen Stirnpartie. Genügend Stirnfülle wodurch sichtbar wird, dass der höchste Punkt tatsächlich vor dem Auge ist, lässt uns von einer rassetypischen Stirnpartie sprechen. Vervollkommnend wird dies mit genügend Stirnbreite. Von vorn betrachtet lässt sich dies korrekt zu beurteilen.
Auge:
Perlauge, Augenrand schmal, so die kurze Definition im Standard. Jedoch gehört auch hier mehr dazu. Bei dem Perlauge streben wir eine möglichst reinweiße, aber zumindest sehr helle Iris an. Die meist kleine Pupille sollte möglichst kreisrund und scharf abgegrenzt sein.
Bewertungsreihenfolge:
Wie im Text bereits beschrieben sollte der Gesamteindruck immer im Vordergrund stehen. Danach kommen die genannten Bewertungsschwerpunkte in folgender Reihenfolge:
Gesamteindruck/ Körperform und -haltung / Kopf/ Augen / Farbe und Zeichnung

Der SV der Altenburger Trommeltaubenzüchter würde sich freuen, wenn viele Besucher uns auf der Lipsia in Leipzig anlässlich des Siegerring-Wettbewerbs besuchen.
Für weitere Informationen, Fragen oder Interesse an unseren Altenburgern wenden Sie sich gerne an folgende
Mailadresse: sv1912altenburger@gmx.de
oder der Internetplattform:
Michel Männche
Bilder: SV der Altenburger Trommeltauben





















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